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Kaspressknödel

Kaspressknödel

« Das ganze Glück der Alpen »

Würde man gemäß des alten Peter Alexander Schlagers „Als Böhmen noch bei Österreich war“ die Errungenschaften dieser tschechisch-österreichischen Symbiose aufzählen wollen, müsste man den Knödel auf jeden Fall ganz weit vorne erwähnen. Denn dass die flaumigen Kugeln aus Weißbrot, Zwiebeln, Ei und Milch heute ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Hausmannskost sind, ist in erster Linie dem Einfluss aus Böhmen zu verdanken.

Die Welt der Knödel

Die knödelverliebten Österreicher entwickelten aus dem kulinarischen Erbe der Böhmen über Jahrzehnte und Generationen eine Vielzahl eigener Varianten, von denen manche heute zu den urösterreichischen Rezeptklassikern zählen. Der Kaspressknödel mit Graukäse hat es sogar geschafft, zum Symbolgericht der Alpenregion aufzusteigen und ist beim touristischen und einheimischen Bergvolk gleichermaßen beliebt.

Degust Graukäse Natur

Man genießt das klassische Hüttenessen entweder als Suppeneinlage, oder als Hauptspeise mit Salat oder Sauerkraut. Die typisch österreichische Spezialität ist vor allem im Westen des Landes zuhause und steht in Vorarlberg, Tirol und Salzburg auf nahezu jeder Speisekarte. Wer sich die genaue geographische Eingrenzung sparen möchte, kann sich als Faustregel auch einfach folgendes merken: Überall dort, wo es Berge gibt, da sind auch Kaspressknödel nicht weit. Die plattgedrückten Laibchen sind pures Alpenglück zum Essen und gehören unangefochten zu den originalen Alpenspezialitäten. Hätte Peter Alexander ein Lied darüber geschrieben – es wäre bestimmt ein Hit geworden.

alpenweit Alpenkräuter 1.036 m Ötztal           alpenweit Bergkräutersalz 1.360 m Ötztal 120g

Das Grundrezept – einfach und lecker

Das Basisrezept für die flachen „Leiberl“ ist denkbar einfach. Sogar ungeübte Köche werden mit der Herstellung des urösterreichischen Alpenschmankerls keine Schwierigkeiten haben. Man muss nur mit dem Käse-Aroma zurechtkommen, das sich beim Kochen relativ intensiv entwickelt und auch danach gerne noch ein Weilchen in der Küche bleibt. Ein guter Dunstabzug ist also sinnvoll. Welche Käsesorten zum Einsatz kommen, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack, in Österreich aber vor allem von der Region ab. Bei den Salzburgern stehen Bierkäse und Emmentaler im Kochbuch, die Vorarlberger verwenden den sogenannten Sura Kees für ihr Rezept, und in Tirol kommt würziger Berg- oder Graukäse in den Knödel. Für vier Personen würde man dort die Zutaten folgendermaßen bemessen:

  • 300 g Knödelbrot (Semmelwürfel)
  • 150 g Bergkäse oder Graukäse (Mischen ist natürlich auch möglich)
  • 1 Zwiebel
  • 4 Eier
  • 100 g Butter
  • 100 ml Milch
  • Majoran
  • Frische Petersilie

Ein angebratener Kaspressknödel

Zu Beginn die Zwiebel fein würfeln und in Butter goldgelb anschwitzen. Den würzigen Tiroler Käse reiben und mit dem Knödelbrot vermischen. Milch, Eier und Zwiebel zur Masse geben und mit Salz, Pfeffer und ein wenig Majoran würzen. Die frisch geschnittene Petersilie in den Teig mischen und alles gut verkneten. Mit feuchten Händen die Knödel formen und vorsichtig zu etwa handtellergroßen Laibchen flachdrücken. Dabei sollte man darauf achten, dass die Masse an den Seiten nicht einreißt und schön kompakt bleibt. Die gepressten Knödel in Butter oder Butterschmalz beidseitig goldbraun anbraten und mit Salat oder als Einlage in einer kräftigen Rindsuppe servieren. So weit, so simpel. Das Grundrezept für den Lieblingsknödel der Österreicher ist in seiner Einfachheit ein unangefochtener Klassiker. Das bedeutet aber nicht, dass er in einer anderen Variante weniger gut schmeckt. Das leichte Basisrezept lädt sogar dazu ein, es zu variieren und zu erweitern. Anhand von zwei alternativen Zubereitungsideen möchten wir zeigen, dass Sie nur ein wenig Kreativität brauchen, um Ihr ganz persönliches Kaspressknödel Rezept zusammen zu stellen, mit dem Sie die österreichische Spezialität zu Ihrer eigenen machen.

Variante für Fleischtiger – Kaspressknödel mit Speck und Kartoffeln

Dieses Kaspressknödel Rezept wird vor allem bei überzeugten Nicht-Vegetariern auf Begeisterung stoßen. Es enthält einige Abweichungen von den Basis-Kaspressknödeln und führt gleich zu einem ganz anderen Geschmackserlebnis. Für vier Personen brauchen Sie folgende Zutaten:

  • 200 g Knödelbrot (Semmelwürfel)
  • 200 g Bergkäse
  • 100 g Speckwürfel
  • 2 Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 2 Eier
  • 125 ml Schlagsahne
  • 125 ml Sauerrahm
  • 2 EL Mehl
  • Kräutersalz
  • Frische Petersilie
  • Butterschmalz

Beginnen Sie mit den Kartoffeln, die Sie zuerst kochen, schälen und mit dem Stampfer zerkleinern. Anschließend mit dem Knödelbrot, Sauerrahm, Schlagsahne, Mehl, Eiern und Petersilie vermischen. Die Zwiebel fein hacken und mit den Speckwürfeln in der Pfanne andünsten. Mit der restlichen Knödelmasse verkneten, mit Kräutersalz würzen und 20 Minuten ruhen lassen. Formen Sie den Teig nun zu einer Rolle und schneiden Sie ihn in Scheiben mit etwa 1 cm Stärke. Anschließend erhitzen Sie Butterschmalz in einer Pfanne und backen die Scheiben darin schwimmend aus. Serviert werden die Leckerchen auch in dieser Version entweder „pur“ mit Salat oder als Kaspressknödelsuppe.

Südtiroler Bauern Speck vom Südtiroler Schwein

Variante für Gourmets – Kaspressknödel in Zwiebelsuppe

Obwohl beide Gerichte auch alleine funktionieren, sind sie in Kombination ein Hit. Bei den Kaspressknödeln sollte man auf die Größe achten und sie eine Spur kleiner formen als sonst. Auch beim Käse kann man in dieser Version ein wenig variieren und beispielsweise zum Alpenkäse einen Blauschimmelkäse mischen. Ansonsten bereiten Sie die Knödel nach dem Grundrezept zu. Für die Zwiebelsuppe werden folgende Dinge benötigt:

Kaspressknödel in der Zwiebelsuppe

  • 450 g Zwiebeln
  • 1 l Rindsuppe
  • 250 ml Weißwein
  • 80 g Butter
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Lorbeerblätter
  • 8 Wacholderbeeren
  • 1 TL Pfefferkörner
  • 1 TL Senfkörner
  • Thymian

Den Knoblauch fein hacken, die Zwiebel in Streifen schneiden und beides in Butter goldgelb anrösten. Wenn die Zwiebel weich sind, mit Weißwein ablöschen und mit der Suppe aufgießen. Die Gewürze in ein Säckchen einbinden und 15 bis 20 Minuten in der Suppe mitköcheln lassen. Danach das Säckchen entfernen und das Ganze noch einmal mit Salz, Pfeffer und Thymian abschmecken.

Salz Sel des Alpes

Kleiner Twist mit großer Wirkung

Wenn Sie für den Alpenklassiker Kaspressknödel-Suppe ein Rezept haben, von dem Sie nicht abweichen, es aber dennoch nicht immer gleich zubereiten wollen, können Sie schon mit ein paar kleinen Kniffen spannende Veränderungen im Geschmack erzielen. Dafür müssen Sie die einzelnen Arbeitsschritte gar nicht groß abwandeln. Es reicht, mit ein paar anderen Kräutern, einer neuen Käsesorte oder einem alternativen Bratmittel zu kochen und schon entsteht ein neues Endergebnis. Ein paar Beispiele: Versuchen Sie doch einmal, statt mit dem üblichen Salz und Pfeffer mit einer Mischung aus Alpenkräutern und Steinsalz zu würzen. Die vielschichtigen Aromen fügen den Kaspressknödeln eine besondere alpine Note hinzu, die gerade für ein typisches Hüttenessen niemals nachteilig sein kann. Außerdem können Sie mit dem Mengenverhältnis von Käse und Knödelbrot experimentieren. Während man in Tirol meist das 2/3 zu 1/3 Verhältnis bevorzugt, verwenden die Südtiroler für ihre Knödel mindestens gleich viel von beiden Zutaten und sind auch mit der Butter großzügiger. Wenn die Masse durch den erhöhten Anteil von Milchprodukten zu feucht werden sollte, kann man mit ein wenig Mehl korrigieren. Auch bei den Käsesorten dürfen Sie kreativ sein. Trauen Sie sich ruhig, abzuwechseln und probieren Sie Ihr Lieblingsrezept auch einmal mit einer ungewöhnlichen Sorte. Ein Käselaib, der affiniert wurde, bringt von sich aus schon ein spezielles Aroma mit und bereichert jedes Kaspressknödel Rezept.

Wer die Rezepte nachkochen möchte wird im Kochbuch „So genießt Südtirol. 33 x Knödelrezepte“ fündig. Das Kochbuch „Südtiroler Leibgerichte“ vom Zirmerhof in Radein listet die Originalrezpte von Hanna Perwanger.

Südtiroler Leibgerichte - Kochbuch 33 x Knödel


Bildquellen:

Beitragsbild: © Christine – stock.adobe.com
Knödel in der Pfanne: © Ars Ulrikusch – stock.adobe.com
Kaspressknödel in der Suppe: © babsi_w – stock.adobe.com