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Altreier Kaffeeanbauer
Alpen und Kaffe - Ein Widerspruch? Das Kaffee-Rösten von Samen und Früchten heimischer Pflanzen hat auch im Berggebiet Tradition.
Das Kaffee-Rösten von Samen und Früchten heimischer Alpenpflanzen hat auch im Berggebiet Tradition. Im 1200 Meter Höhe gelegenen Bergdorf Altrei hat man diese Tradition wieder aufgenommen.
Die Altreier "Kaffeebohne" stammt von einer Pflanze, die weder Kaffee noch Bohne ist: Über Jahrzehnte lieferte eine Lupine einen Kaffee-Ersatz, der gemischt mit Gerste oder Weizen getrunken wurde. Diese Pflanzen heißt Altreier Kaffee und ist eine lokale Spezialität, sowohl botanisch, wie auch aus Sicht der Südtiroler Kulturgeschichte. Die Wiederbelebung dieser Rarität war Ziel eines Projektes, das gemeinsam mit über 30 Menschen aus Altrei in den vergangenen Jahren durchgeführt wurde. Der Kaffee, der in Form von wenigen Samen die letzten Jahrzehnte von einigen Frauen in Altrei gehütet wurde, belebt nun neu die Geister. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist der kontinuierliche Anbau dieses Altreier Kaffees als Kaffee-Surrogatpflanze im Südtiroler Bergdorf Altrei im Fleimstal, ca. 24 km südlich von Bozen nachweisbar. Die Pflanze wurde als Kaffee-Surrogat und als Medizinalpflanze für das Vieh genutzt – für die Eigenversorgung wie für die Vermarktung. Mit dem Aufkommen des „echten“ Bohnenkaffees verschwand der blau blühende Altreier Kaffee ab den 1950er und 1960er Jahren aus der Landschaft und aus den Kaffeetassen. In einigen Hausgärten Altreis hat die Pflanze überlebt und erfreut sich nun großen Interesses – sowohl in Altrei wie auch außerhalb. Die Wiederbelebung der lokalen Kaffee-Kultur erfolgte auf Initiative der Abteilung für Land-, forst- und hauswirtschaftliche Berufsbildung des Landes Südtirols. Für die Kulturpflanzenforschung war die „Entdeckung“ des Altreier Kaffees im Südtiroler Bergdorf Altrei eine Überraschung.
Was hat nun der Altreier Kaffee mit dem echten Bohnenkaffee zu tun? In der historischen Literatur zum Kaffee sind bis in die 40erJahre des 20. Jahrhunderts auch stets den Kaffee-Ersatzpflanzen einige Kapitel gewidmet. Echter Bohnenkaffee war lange ein Luxusgetränk, das man nur in Kolonialwarenhandlungen oder in den städtischen Kaffeehäusern kaufen konnte. Dies war nur wenigen Menschen vorbehalten. Man suchte und fand andere Pflanzen, die in den eigenen Gärten und auch im Berggebiet wuchsen und aus denen „Kaffee“ gebraut werden konnte. Der Altreier Kaffee ist eine von diesen Pflanzen.
Altrei ist ein auf 1200 Meter Höhe gelegenes Bergdorf an der Grenze der Provinzen Südtirol und Trentino. Altrei liegt somit an der italienisch-deutschen Sprachgrenze. Aufgrund seiner geografischen Lage ragt das Gemeindegebiet von Altrei wie eine Zunge in die Provinz Trient. Die Gemeinde hat rund 380 Einwohner. Altrei ist trotz seiner Höhe klimatisch begünstigt, da es auf einer südexponierten Terrasse angelegt ist. Die Landschaft um das Dorfzentrum ist geprägt von Wiesen, in die immer wieder kleine Gemüse- und Kartoffeläcker eingebettet sind. Der Altreier Kaffee ist Teil des kollektiven Gedächtnisses der Menschen in Altrei, viele Menschen haben den Kaffee früher selber angebaut und/oder getrunken, andere erinnern sich, dass ihre Mütter, Großmütter oder Tanten den Kaffee angebaut haben.
Der Altreier Kaffee duftet, frisch geröstet, nach Haselnuss und Schokolade. Aufgebrüht hat er einen leicht bitteren Geschmack. Haselnussaromen sind fein heraus zu schmecken. Mit Bohnenkaffe kann er nicht wirklich verglichen werden.
Probieren Sie den außergewöhnlichen "Kaffee".
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